11. August 2026
Vegan im Wein – was das heißt und was es nicht heißt
„Wein ist doch aus Trauben – wie soll der nicht vegan sein?" Diese Frage hören wir oft, und sie ist berechtigt. Die Antwort steckt in einem Schritt, der auf keinem Etikett auftaucht: der Klärung.
Wo tierische Stoffe in den Wein kommen
Junger Wein ist trüb. Damit er klar wird, bindet man die Trübstoffe an ein Hilfsmittel, das sich anschließend absetzt und abgezogen wird. Traditionell werden dafür tierische Stoffe verwendet: Gelatine, Hausenblase aus Fischblasen, Eiweiß oder Kasein aus Milch.
Diese Stoffe bleiben nicht im fertigen Wein – sie werden mit dem Trub entfernt. Fertig getrunken wird also kein Ei und kein Fisch. Trotzdem ist ein solcher Wein nicht vegan: Er ist unter Einsatz tierischer Erzeugnisse hergestellt worden. Genau das ist der Unterschied zwischen „enthält nichts Tierisches" und „vegan".
Was wir stattdessen tun
Unsere Weine werden ohne tierische Hilfsstoffe ausgebaut. Wo geklärt werden muss, gibt es pflanzliche und mineralische Alternativen – und häufig genügt schlicht Zeit: Ein Wein, den man in Ruhe lässt, klärt sich zu einem guten Teil von selbst.
Auf unseren Etiketten steht deshalb „VEGAN" neben „BIO" und „HANDLESE". Die drei gehören für uns zusammen: Wer im Weinberg auf Chemie verzichtet und von Hand liest, hat wenig Grund, im Keller anders zu arbeiten.
Warum das auf der Flasche steht – und warum nicht immer
Eine gesetzliche Pflicht, die Klärung anzugeben, gibt es nicht – die Hilfsstoffe gelten als Verarbeitungshilfen und müssen nicht in die Zutatenliste. Deklariert werden müssen nur Allergene, die im Wein verbleiben könnten, etwa aus Ei oder Milch.
Der Hinweis „vegan" ist also freiwillig. Wer ihn setzt, muss es aber auch einhalten – sonst ist es Irreführung. Deshalb ist es kein Schmuck auf dem Etikett, sondern eine Zusage.
Woran Sie veganen Wein erkennen
Am zuverlässigsten am Hinweis auf dem Rücketikett oder an einem Siegel. Steht dort nichts, heißt das nicht automatisch, dass tierische Stoffe im Spiel waren – es heißt nur, dass es niemand aufgeschrieben hat. Bei kleinen Betrieben lohnt sich schlicht die Frage. Wir beantworten sie gern, am liebsten bei einer Weinprobe im Weinberg.